Thomas van Elsenzurück

Eine vielfältige Kulturlandschaft entsteht heute nicht mehr „nebenbei“, sondern nur noch, wenn sie gewollt und bewusst an ihrer Entwicklung gearbeitet wird. Lässt sich Landschaft heute so entwickeln, dass sie mehr wird als ein Spiegelbild der Nutzungsinteressen? Reicht es aus, Landschaftsbestandteile unter „Naturschutz“ zu stellen – wen schützt man dann eigentlich vor wem? Wie lassen sich „Vielfalt, Eigenart und Schönheit“ von Natur und Landschaft – wie im Bundesnaturschutzgesetz gefordert – schützen und entwickeln? Wie passt das Bild unserer Vorfahren als „Keulen schwingende Halbaffen“, die im darwinistischen Kampf ums Dasein die Natur ausbeuteten, zusammen mit der Entstehung der historischen Kulturlandschaften? Kann man eine Kulturlandschaft überhaupt „erhalten“? Was hat „Land-schaft“ mit Land-schaffen zu tun? In wie fern sind Landschaften Spiegelbilder der Intentionen der Menschen, die in ihr tätig sind? Bedeutet ein multifunktional verstandener Ökologischer Landbau außer „Pflanzenproduktion“ und „Tierproduktion“ auch „Landschaftsproduktion“? Lässt sich Landbau als Entwicklungsaufgabe an der Natur verstehen? „Landschaft entwickeln“ setzt heute voraus, einen neuen Zugang zur Natur über übende Sinneswahrnehmung und über Reflexion des eigenen Denkens und Handelns zu gewinnen.
Aktuell gilt besonderes Interesse der „Sozialen Landwirtschaft“. Diese umfasst landwirtschaftliche Betriebe und Gärtnereien, die Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen integrieren, Höfe, die eine Perspektive bieten für sozial benachteiligte Menschen, für straffällige oder lernbehinderte Jugendliche, Suchtkranke, Langzeitarbeitslose und aktive Senioren, Schul- und Kindergartenbauernhöfe und viele andere mehr. Vorsorge, Inklusion, Rehabilitation, Bildung und mehr Lebensqualität sind Aspekte Sozialer Landwirtschaft. Landschaft wird dabei in vielfältiger genutzt, um für die beteiligten Menschen einen Mehrwert zu erzeugen. Wie kann der „soziale“ Ansatz auf den Umgang mit der Natur erweitert werden? Was bedeutet dies konkret für die Entwicklung von Kulturlandschaft?
Diese Fragen bilden den Hintergrund meines Interesses an der Landschaftsarbeit im Kontext von PETRARCA.

Kurze biographische Skizze

Nach Zivildienst im Umweltschutz, Studium der Biologie (in Braunschweig und Göttingen) Dissertation über pflanzensoziologische Untersuchungen zur Dynamik der Pflanzengesellschaften der Äcker bei unterschiedlicher Bewirtschaftungsintensität (VAN ELSEN 1994) an der Universität Kassel.
Vegetationskundliche Untersuchungen auf industriegeschädigten Flächen und Binnensalzstellen (VAN ELSEN 1997).
Im Rahmen eines Forschungsstipendiums Recherche zu „ökologischen Gesichtspunkten“ im Werk Rudolf Steiners, das dem Ansatz der biologisch-dynamisch Wirtschaftsweise zugrunde liegt. Die ökologische Frage spiegelt aus Sicht der Anthroposophie die historische Entwicklung des Mensch-Natur-Verhältnisses, aus der sich heute neue Entwicklungsaufgaben für den Umgang des Menschen mit „Natur“ ergeben (VAN ELSEN 1999).
Lehrbeauftragter u.a. für Pflanzensoziologie, Landschaftsökologie, Biodiversität und Soziale Landwirtschaft am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel (Witzenhausen), Betreuung zahlreicher Diplomarbeiten und Erstellung eines Naturschutzhandbuches für die Ökologische Landwirtschaft (VAN ELSEN & DANIEL 2000).
Mehrere Forschungsprojekte zum Thema „Kulturlandschaft und Ökologischer Landbau“ am Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau der Universität Kassel (Witzenhausen), u.a. zu Naturschutz-Praxisansätzen auf Biohöfen (VAN ELSEN et al. 2003), zur naturverträglichen Bodennutzung als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, zum Interesse von Biobauern an Naturschutz und Landschaftsentwicklung (bundesweite Umfrage), zur Integration von Naturschutzzielen in den Ökologischen Landbau (Hessische Staatsdomäne Frankenhausen) und zum Schutz seltener Ackerwildkräuter.
2004-2008 Projektleiter am FiBL Deutschland e.V.– Standort Witzenhausen. Projekte zur Einrichtung von Einzelbetrieblicher Naturschutzberatung für den Ökologischen Landbau (VAN ELSEN et al. 2003 und 2004) und Untersuchungen zum Potenzial „Sozialer Landwirtschaft“ für Natur- und Landschaftsentwicklung im Rahmen des EU-Projekts SoFar.
Im Rahmen von PETRARCA Durchführung von Landschaftsseminaren auf Biohöfen, u.a. auf Hof Medewege (Schwerin), Adolphshof (Hämelerwald), Schoderhof (Allgäu), Gut Hohenberg (Pfälzerwald) sowie auf zahlreichen Höfen im weiteren Umfeld von Witzenhausen mit Studierenden im Rahmen des „Studienschwerpunktes Ökologischer Landbau“.
Seit 2009 PETRARCA-Projektleiter in Witzenhausen und Durchführung des Projekts „Soziale Landwirtschaft auf Biobetrieben in Deutschland“ (zusammen mit Anne Jaenichen, Marie Kalisch sowie Alfons Limbrunner als Kooperationspartner der Ev. Fachhochschule Nürnberg).



Publikationen (Auswahl):

  • VAN ELSEN, T. (1994): Die Fluktuation von Ackerwildkraut-Gesellschaften und ihre Beeinflussung durch Fruchtfolge und Bodenbearbeitungs-Zeitpunkt. – Ökologie und Umweltsicherung 9 (Dissertation), Witzenhausen, 414 S.).

  • VAN ELSEN, T. (1997): Binnensalzstellen an Rückstandshalden der Kaliindustrie. - In: Binnensalzstellen in Thüringen - Situationen, Gefährdung und Schutz. – Naturschutz-Report 12: 63-117, Jena.

  • VAN ELSEN, T. (1999): Die Natur ernährt den Menschen – ernährt der Mensch auch die Natur? Zum Ernährungsbegriff und seiner Erweiterung durch das Werk Rudolf Steiners. – In: ARNCKEN, T., RAPP, D., ZEHNTER, H.-C. (Hrsg.): Ein Rose für Jochen Bockemühl. Sondernummer der Elemente der Naturwissenschaft: 102-118, Dürnau.

  • VAN ELSEN, T. (2000): Species diversity as a task for organic agriculture in Europe. – Agriculture, Ecosystems & Environment 77 (1-2). Special Issue: „Criteria for sustainable Landscape Development“: 101-109. Elsevier, Amsterdam/ Lausanne/ New York/ Oxford/ Shannon/ Tokyo.

  • VAN ELSEN, T., DANIEL, G. (2000): Naturschutz praktisch. Ein Handbuch für den ökologischen Landbau. – (Praxis des Ökolandbaus) Bioland Verlag, Mainz, 108 S.

  • VAN ELSEN, T., KEUFER, E., GOßE, A., DIENER, J. (2003): Naturschutzberatung für den Ökologischen Landbau – eine Projektstudie zur Integration von Naturschutzzielen auf Biohöfen. - Abschlussbericht zum Projekt 02OE459, gefördert vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau. Witzenhausen, 263 S., Download unter: http://orgprints.org/00002577/

  • VAN ELSEN, T., RÖHRIG, P., KULESSA, V., SCHRECK, C., HEß, J. (2003): Praxisansätze und Naturschutzpotenziale auf Höfen des Ökologischen Landbaus zur Entwicklung von Kulturlandschaft. - Angewandte Landschaftsökologie 60, Bonn, 359 S.
  • VAN ELSEN, T., MEYERHOFF, E. , OPPERMANN, R., WIERSBINSKI, N. (Red.) (2004): Naturschutzberatung für die Landwirtschaft. Ergebnisse des 1. Trainingsseminares vom 16. – 20. Februar 2004 am Bundesamt für Naturschutz, Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm.  BfN-Skript 119, Bonn, 132 S. Download unter http://www.bfn.de/09/skript119.pdf
  • VAN ELSEN, T. (Hrsg.) (2005): Einzelbetriebliche Naturschutzberatung – ein Erfolgsrezept für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft. Beiträge zur Tagung vom 6.-8. Oktober 2005 in Witzenhausen. FiBL Deutschland e.V., 200 S., Witzenhausen.
  • VAN ELSEN, T., BERG, M., DRENCKHAHN, D., DUNKEL, F. G., EGGERS, T., GARVE, E., KAISER, B., MARQUART, H., PILOTEK, D., RODI D., WICKE, G. (2006): Karlstadter Positionspapier zum Schutz der Ackerwildkräuter. Erarbeitet von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der „Tagung zum Schutz der Ackerwildkrautflora“ am 25./26.6.2004 in Karlstadt am Main.  Z. PflKrankh. PflSchutz, Sonderh. XX: 527-533, Stuttgart.
  • VAN ELSEN, T., KALISCH, M. (2007): The diversity of care farms and their multifunctionality – contributions and perspectives for nature and landscape development.  In: Gallis, C. (Hrsg., 2007): Green care in Agriculture: Health effects, Economics and Policies. 1st European COST Action 866 conference. Proceedings (Vienna, Austria), University Studio Press: 67-81, Thessaloniki.
  • VAN ELSEN, T. (Hrsg.) (2008): Von der einzelbetrieblichen Naturschutzberatung im Ökolandbau zum Gesamtbetriebskonzept. Beiträge der Tagungen „Einzelbetriebliche Naturschutzberatung für die Landwirtschaft  Initiativen vernetzen!“ (Dezember 2006) und „Von der Einzelbetrieblichen Naturschutzberatung im Ökolandbau zum Gesamtbetriebskonzept“ (September 2007) in Witzenhausen. FiBL Deutschland e.V., Witzenhausen,174 S.
  • VAN ELSEN, T. (2008): Soziale Landwirtschaft – sozial auch für die Mitwelt? Das Projekt SoFar (Social Farming) – soziale Leistungen multifunktionaler Höfe. – In: Hofmeister, G. (Hrsg.): Mit Tieren leben – Tiere erleben. Soziale Dimensionen der Mensch-Tier-Beziehung. – Hofgeismarer Protokolle 346: 97-108, Hofgeismar.
  • VAN ELSEN, T., KALISCH, M. (Red.) (2008): Witzenhäuser Positionspapier zum Mehrwert Sozialer Landwirtschaft. Erarbeitet von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung „Der Mehrwert Sozialer Landwirtschaft“ vom 26. bis 28. Oktober 2007 in Witzenhausen. – In: FRIEDEL, R., SPINDLER, E.A. (Hrsg.): Nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume. VS Verlag: 209-213, Wiesbaden.
     
    Kontakt, Diplomarbeitsthemen und Aktuelles s. http://www.soziale-landwirtschaft.de




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