Hermann Seiberth                    zurück


Mein Bezug zum Thema Landschaft

Nach dem gärtnerischen und landschaftsplanerischen Studium an der FH und TU Berlin mit einem anschließenden Referendariat war der behördliche Naturschutz im Land Berlin rund 20 Jahre mein Arbeitsgebiet in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Zu den Aufgaben der obersten Behörde für Naturschutz und Landschaftspflege gehörte u.a. die Mitwirkung bei der Neufassung bundes- und landesrechtlicher Regelungen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Landschaft und ihre Umsetzung in der räumlichen Entwicklung des Landes Berlin. Die Darstellung der Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege im Rahmen des Berliner Landschafts- und Artenschutzprogrammes bot die Möglichkeit, auf allen Maßstabsebenen biologische, ökologische, stadtklimatische und stadtgestalterische Gesichtspunkte in die Stadtentwicklungsdiskussion, die Gesetzgebung und das einschlägige Verwaltungshandeln einzubringen. Stadtlandschaft – Kulturlandschaft – Landschaftskultur – was verbindet sie?
Kulturentwicklung war immer mit Siedlungsentwicklung verbunden, seit ihren Anfängen im 9. Jahrtausend v. Chr. in Palästina, im Niltal, in Mesopotamien und am Indus. Die Ortsnamen Jericho, Harappa, Mehrgarh, Theben, Memphis, Babylon, Ninive, Susa, Tyros, Karthago, Jerusalem und Alexandria stehen dafür tönend Gewähr. Das Schicksal der europäischen Kulturlandschaft entscheidet sich auch künftig in der Stadt. Kulturelle Identität bildet sich hier. Hier finden notwendige Lernprozesse statt – oder auch nicht. Hier werden die grundlegenden Fähigkeiten für eine gedeihliche Organisation des menschlichen Zusammenlebens angeeignet – oder auch nicht. Auch künftig wird das Maß der Inanspruchnahme, der ihr Erscheinungsbild verändernde 'Gebrauch' von Landschaft von der Stadt her bestimmt werden, in der sich das Leben von < 80% der Europäer abspielt. Die Beschaffenheit, Organisation und Gestaltung der Stadtlandschaft prägt das soziale Klima in der Stadt wesentlich mit. Strategien für eine nachhaltige Entwicklung differenzierter Kulturlandschaften wurden und werden von der Stadt her definiert, von den Erlebnissen, den hier entwickelten Fähigkeiten, Bedürfnissen und Einsichten her, von den hier übernommenen Werten und Grundhaltungen ihrer Bewohner her. Hier findet Kulturschaffen statt – was immer Inhalt und Form sein mögen.


Nachdem der naturwissenschaftliche Begründungszusammenhang für eine nachhaltige und schonende Nutzung natürlicher Ressourcen ohne entscheidende Folgen seit 1980 auch für die Stadt umfassend dargestellt wurde (vergl. Umweltatlas Berlin), betritt der paradigmatische Konsens und die Frage der moralischen Kompetenz der Akteure die Bühne der Politik. Dass auf dieser Bühne in Bezug auf 'Landschaftskultur' bislang nur Kabarettisitisches geboten wird, wird auch die Petrarca-Aktivitäten tangieren. Es scheint, dass Drehbücher gefragt sind, die dem Polittheater die Aufführung handfesterer Dramen mit volksbildnerischem Charakter erlauben.


Meine gärtnerischen Arbeitsfelder sind deshalb heute Organisationsentwicklung, Konfliktmanagement und Mediation, soziales Lernen und soziale Kunst. In der Petrarca-Academy möchte ich die Forschung und Ausbildung zu den sozialen Aspekten der Kulturlandschaft begleiten. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit diversen Konzepten, Strategien und Modellen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Landschaft ist die lebendige Sozialgestaltung zwischen den beteiligten Akteuren in der Landschaft der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung. Im Mittelpunkt meiner Mitwirkung im Petrarca Board soll deshalb die Begleitung von Forschungsarbeiten stehen, die den Faktoren für die Herstellung gesunder sozialer Beziehungen zwischen allen an der Landschaftsentwicklung Beteiligten gewidmet sind. Die Ausbildung sozialer Kompetenz zur kompetenten Initiierung und Begleitung jeglicher Formen der Zusammenarbeit von Menschen wird ein wesentlicher Baustein des Petrarca-Curriculums sein.  Meine Erfahrungen in 'anthroposophic consulting' will ich dabei gerne einbringen.

Hermann Seiberth
Dipl. Ing., Gartenbaudir., ret.
Büro für Stadtökologie + soziale Entwicklung
seiberth@gmx.de  / www.sozialundfamilienkultur.de  / www.worldofasd.net

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