Bedrohungen und Perspektiven zurück

Das Leben des modernen Menschen hat sich vom früher selbstverständlich gegebenen Leben mit der Natur abgelöst. Auf diese Weise haben sich die Landschaften Europas in eine unübersehbare Krise hinein entwickelt, die eine Herausforderung an unser Bewusstsein und an unser Verantwortungsgefühl als Mensch darstellt und die an unser Selbstverständnis als Gemeinschaft appelliert.

Während die Verstädterung voranschreitet, hält die Landflucht an; aussterbende Dörfer, eine zerfallende Infrastruktur und verwahrloste Gegenden bleiben zurück. In den ländlichen Gegenden werden entweder zunehmend Schutzgebiete eingerichtet, bei denen im Extrem der Mensch aus der Natur herausgehalten wird, oder es werden immer häufiger großräumige Monokulturen angebaut, mit den bekannten problematischen Folgen, nicht nur für das regionale ökologische Gleichgewicht, einschließlich Klima-, Boden- und Wasserqualität.

Auf diese Weise wird verhindert, den Bedürfnissen und Anforderungen der Landschaft als solcher gerecht zu werden. Im ersten Fall wird der Mensch ausgegrenzt, im zweiten Fall die Natur, indem eine radikale Unterwerfung der Natur unter die technische Machbarkeit praktiziert wird. Andernorts schreiten die Verstädterung und die Technisierung voran und führen zu Überbevölkerung und massiver Umweltverschmutzung.

Die Landschaft als solche, Landschaft nämlich als ein Prozess zwischen Natur und Mensch, einer verschiedenartigen gegenseitigen Beeinflussung, bleibt unberücksichtigt, ungewürdigt, ja ungeschätzt. Statt dessen wird der Beziehungslosigkeit des Menschen zu seiner Umgebung Vorschub geleistet. Als eine Reaktion auf diese Entwicklung stellt sich in vielen Ländern und Bevölkerungsschichten die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung, die eine behutsame Kultivierung der regionaltypischen Landschaften Europas ins Auge fasst (12).

PETRARCA stellt sich dieser Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung von Landschafts-Individualitäten. Aus historischer Perspektive kann die Verstädterung als eine notwendige Emanzipation des Menschen von der überwältigenden Kraft der wilden Natur betrachtet werden, in deren Mitte er sich befand und die ihn umgab. Eine Emanzipation, die unbedingt notwendig war und parallel zur menschlichen Trennung von seinen ortsgegebenen und historischen Wurzeln zu sehen ist. Freiheit und Unabhängigkeit hatten ihren Preis, brachten aber auch den einzigartigen Gewinn, dass Menschen sich ihrer Verantwortung für "das Andersartige und den Anderen" bewusst werden konnten: Aus sozialer und ökologischer Perspektive, in städtischen und in ländlichen Gebieten. Diese Aufmerksamkeit dem Anderen gegenüber ist die Voraussetzung für die menschliche Verpflichtung, an der Entwicklung einer zukunftsfähigeren Landschaftsgestaltung mitzuwirken.

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